Mittwoch, 13. August 2014

Der Kampf der Kulturlöwen geht weiter!

Am 9. August feierte der Kulturbahnhof Gare de Lion (Remise) sein 25 jähriges Bestehen. Jedes Jahr wird mit tausenden Stunden Freiwilligenarbeit ein Programm mit bis zu 100 Anlässen durchgeführt, welches sich vor Angeboten in den grossen Städten nicht zu verstecken braucht. Unzählige international bekannte Künstler hatten Wil in ihrem Tour-Kalender und für regionale Musikschaffende ist der Gare de Lion zur unverzichtbaren Bühne geworden.
Man darf dankbar sein für dieHartnäckigkeit der Kulturlöwen, welche über Jahre hinweg beharrlich – trotz Rückschlägen - für ihr Anliegen gekämpft haben. Heute ist der Gare de Lion ein in der Bevölkerung breit abgestütztes, professionell organisiertes und weit über die Landesgrenzen hinaus bekanntes und geschätztes Kulturlokal.

Doch bei aller Festfreude – ein Punkt hat sich nur wenig verändert: Die Wertschätzung seitens der Politik. Kultur kann ohne Unterstützung (leider) nicht existieren. Ein mittelgrosses Kulturlokal, welches hauptsächlich dank Lohnverzicht existieren kann und sich zu 90% selber finanzieren muss, dürfte schweizweit einmalig sein. Dies nicht ohne Grund, denn ein Betrieb dieser Grösse kann langfristig nicht mit ehrenamtlicher Arbeit und symbolischen Entschädigungen geführt werden. Zu häufig verliert der Betrieb nach zu kurzer Zeit wertvolle Personen in zentralen Funktionen, zu gross ist der Aufwand für die Einarbeitung von neuem Personal, zu gross der wöchentliche Arbeitsaufwand der einzelnen RessortleiterInnen – und das alles in einer finanziell konstant sehr angespannten Situation. Verantwortung, zuverlässige Arbeit und Anwesenheitspflicht von regelmässig bis zu 30 Stunden pro Woche hat mit Freiwilligenarbeit nicht mehr viel zu tun und muss angemessen entschädigt werden können. Sowohl in vergleichbaren Städten, als auch in den anderen (Kultur-)Institutionen der Stadt Wil ist dies längst und absolut zurecht eine Selbstverständlichkeit. Die Politik - und damit ist nicht nur die Stadt Wil gemeint - hat es bislang versäumt, ein solides Fundament für dieses wertvolle Angebot zu schaffen. Der Kampf der Wiler Kulturlöwen ist auch 25 Jahre später noch nicht vorbei!

Michael Sarbach, Mitglied Stadtparlament Wil
Lindenstrasse 7, 9500 Wil