Donnerstag, 10. Januar 2013

Michael Sarbach, erster Parlamentspräsident im Vereinigten Wil

Wil: 10.01.2013
Michael Sarbach, erster Parlamentspräsident im Vereinigten Wil 
Für den bereits kundigen Parlamentarier stellt das Amt des Höchsten Wilers dennoch eine erfreuliche Situation dar. 
Niklaus Jung
Nach Esther Spinas ist Michael Sarbach erst der zweite Parlamentspräsident aus der Fraktion „GRÜNE/prowil“ in der 28-jährigen Parlamentsgeschichte. Die Herausforderung sieht Sarbach nicht im erweiterten Parlament mit neu 45 Mitgliedern, sondern eher in der Einarbeitung der Neuen, welche nach den Herbstwahlen erstmals dabei sind. Er sieht das Präsidiumsjahr als Chance, der Öffentlichkeit die Vielfältigkeit der Gruppierung (GRÜNE/prowil) bekannt zu machen.

Wenn heute Donnerstag 10. Januar Michael Sarbach (GRÜNE/prowil) zum Höchsten Wiler gewählt wird, dürfte er mit 31 Jahren einer der jüngsten Parlamentspräsidenten sein. Dennoch gehört er bereits zu den Amtsältesten im Parlament, die dritte Legislatur steht vor ihm.

IWP: Michael Sarbach, was hat Sie vor einem Jahr motiviert, zuerst für das Amt des Vizepräsidenten im Parlament zu kandidieren, um nun am 10. Januar 2013 das Amt des höchsten Wilers anzutreten? Ist es die Suche nach weiteren Herausforderungen, oder Pflicht der Partei gegenüber?
M. Sarbach: Vor allem ist es mir eine ausserordentlich grosse Ehre, der erste Parlamentspräsident der neuen vereinigten Stadt Wil sein zu dürfen. Nach acht Jahren als „einfacher Parlamentarier“ ist dieses Amt auch ein willkommener Perspektivenwechsel und eine interessante Herausforderung. Ich sehe sehe diese Aufgabe keinesfalls als Pflicht, sondern als Freude – ich hätte ja auch verzichten können.

IWP: Es war ja nicht immer so, dass „GRÜNE prowil“ wie die anderen Parteien für das Amt des Höchsten Wilers kandidieren konnten. Der wievielte Präsident ihrer Partei werden sie sein?
M. Sarbach: In der bald 28 jährigen Geschichte des Wiler Stadtparlamentes und somit auch der prowil – Fraktion werde ich nach Esther Spinas der zweite Parlamentspräsident unserer Gruppierung sein.

IWP: Sie werden als erster Parlamentspräsident des mit Bronschhofen vereinigten Wil in die Geschichte eingehen und neu 45 Parlamentariern vorstehen. Ist das eine besondere Herausforderung?
M. Sarbach: Ich gehe nicht davon aus, dass dieser Umstand eine besondere Herausforderung darstellt. Da es im Parlament dieses Jahr aber besonders viele Neumitglieder hat, welche mit den parlamentarischen Gepflogenheiten und mit dem Parlamentsreglement wohl noch nicht detailliert vertraut sind, wird hie und da vielleicht ein lenkendes Eingreifen nötig. Dafür ist ja aber der Parlamentspräsident unter anderem auch da. Eine spezielle Aufgabe wird es bestimmt sein, insbesondere unseren neuen MitbürgerInnen aus Bronschhofen die äusserst wertvolle Arbeit des Parlamentes näher zubringen.

IWP: Wird Ihr Parlamentsjahr für Ihre Partei auch Vorteile bringen hinsichtlich Wahrnehmung in der Bevölkerung? Was ist Ihr Beitrag dazu?
M. Sarbach: Natürlich wird man als Parlamentspräsident auch immer automatisch mit der Partei verknüpft, welcher man angehört. Ich sehe das Präsidiumsjahr darum auch als Chance, andere aktive Mitglieder und somit die Vielfältigkeit unserer Gruppierung der Öffentlichkeit präsentieren zu können. Von Amtes wegen geniesst sonst ja hauptsächlich der Fraktionspräsident Medienaufmerksamkeit.

IWP: Ihr Erscheinungsbild im Parlament ist sonst eher der Einfachheit und dem natürlichen Auftreten zugetan. Wird man Sie im kommenden Jahr nun in anderem Outfit sehen, insbesondere, wenn Sie an Anlässen die Stadt Wil repräsentieren?
M. Sarbach: An der Parlamentspräsidienfeier werde ich mich festlicher als üblich kleiden. Bei den übrigen Anlässen passe ich mich den gegebenen Umständen an. Man wird mich aber hauptsächlich so antreffen, wie es sich die Leute von mir bei öffentlichen Auftritten gewohnt sind und wie ich mich selber am wohlsten fühle.

IWP: Beobachtet man Sie derzeit im Parlament in der Funktion als Vize, so hat man das Gefühl, dass Sie das Ganze recht locker nehmen. Täuscht das, oder sind sie ganz einfach nicht so schnell aus der Ruhe zu bringen?
M. Sarbach: Eine Selbsteinschätzung ist da eher schwierig. Ich beschäftige mich seit über 10 Jahren aktiv mit Politik, davon unter anderem beruflich als ehemaliger politischer Sekretär, im Studium der Politikwissenschaften, die 6 Jahre als Präsident der Jungen Grünen Kanton St.Gallen, in diversen Vorständen oder eben seit nun über 2 Legislaturen im Wiler Stadtparlament. Da kommt nach einiger Zeit eine gewisse Gelassenheit auf – was aber nicht heisst, dass ich die Arbeit nicht sehr ernst nehme. Nicht selten werde ich vor wichtigen Voten angespannt oder nervös. Ich habe aber gelernt, meine Emotionen besser zu kontrollieren und wirke darum wohl auch lockerer gegen aussen.

IWP: Bereits die Vorbereitung wie auch die Führung von Parlamentssitzungen erfordert ein grosses Mass an Wissen über den Inhalt des Parlamentsreglementes. Haben Sie sich dieses Wissen im Vizejahr angeeignet, oder haben sie sich schon länger damit befasst?
M. Sarbach: Ich gehöre trotz meines noch jungen Alters bereits zu den amtsältesten Mitgliedern des Stadtparlamentes und war zudem vier Jahre Mitglied des Präsidiums. In dieser Zeit und vor allem im letzten Jahr als Vizepräsident habe ich mich immer wieder mit dem Geschäftsreglement des Stadtparlamentes befasst. Die Herausforderung für mich sehe ich hauptsächlich im Umstand, dass ab dieser Legislatur ein neues, überarbeitetes Parlamentsreglement seine Gültigkeit haben wird.

IWP: Ist Ihrer Meinung nach für die Parlamentsarbeit zuviel reglementiert, sodass öfters zu wenig Spielraum bleibt für etwas abweichende Abläufe?
M. Sarbach: Die eher schwierigen Situationen für einen Parlamentspräsidenten entstehen meistens dann, wenn ein Ablauf nicht klar reglementiert ist und verschiedene Parlamentarier verschiedene Meinungen dazu äussern. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn spontan ein der Gewohnheit abweichendes Vorgehen zu einem Geschäft bestimmt wird oder wenn aus den Reihen des Parlamentes Anträge kommen, welche so im Reglement nicht vorgesehen sind. Am 10. Januar werden wir ein neues Geschäftsreglement des Stadtparlamentes verabschieden. Dieses schliesst wichtige Lücken, bietet meiner Meinung nach aber noch genug Spielraum.

IWP: Haben Sie sich Schwerpunkte vorgenommen für Ihre Amtsführung im Parlament?
M. Sarbach: Mein Ziel ist es, die Sitzungen möglichst effizient zu führen. Es ist anzunehmen, dass im Rahmen der Gemeindevereinigung einige zusätzliche Geschäfte anfallen werden im nächsten Jahr. Zudem ist es mir ein Anliegen, den EntscheidungsträgerInnen der Stadt Wil besonders die „Kulturstadt Wil“ näher zu bringen und direkt aufzuzeigen, wie wichtig und wertvoll diese Angebote für die Stadt und Region Wil sind. Auch habe ich mir vorgenommen, möglichst viele Repräsentationsaufgaben wahrzunehmen und so in Kontakt mit den verschiedensten Leuten und InteressenvertreterInnen zu kommen. Das Parlament soll von mir möglichst bürgernah und positiv präsentiert werden.

IWP: Ihnen stehen nebst der Führung des Parlamentes auch Repräsentationsaufgaben bevor. Werden Sie sich auch mit Grussworten oder Ansprachen entsprechend engagieren, um nicht allein Präsenz zu markieren?
M. Sarbach: Wo Ansprachen oder Grussworte gewünscht werden, werde ich gerne einige Worte loswerden. Grundsätzlich bin ich aber kein grosser Freund von langen Reden. Mir ist die Begegnung und der gegenseitige Austausch wichtiger, als nicht enden wollende Monologe. Als erstes gilt es, die bereits eingetroffenen Einladungen zu prüfen und eine Auswahl vorzunehmen.

IWP: Abschliessend: Ihr Engagement als höchster Wiler könnte Ihnen bei den nächsten Wahlen behilflich sein für eine zweite Kandidatur in den Stadtrat. Werden Sie diese Zielsetzung im Auge behalten? 
M. Sarbach: Der Stadtratswahlkampf war eine sehr bereichernde Erfahrung. Ich mache keinen Hehl daraus, dass mich das Amt des Stadtrates sehr interessieren würde. Ob ich jedoch in vier, acht oder 12 Jahren nochmals kandidieren werde, kann ich jetzt nicht sagen. Ich möchte mich in diesem Jahr voll auf das Amt als Parlamentspräsident konzentrieren – Überlegungen hinsichtlich allfälliger Wahlen in ferner Zukunft sollen dabei keine primäre Rolle spielen.

Michael Sarbach persönlich 
Jahrgang: 1981
Berufliche Tätigkeiten: Fachlehrkraft Musik / Künstlerische Leitung & Betriebsleiter Gastro im Kulturzentrum Gare de Lion
Weitere Aktivitäten: Präsident Kulturverein SoundSofa Wil, Vorstand Verein ThurKultur, Vorstand Verein Kulturzentrum Wil
Homepage: www.michaelsarbach.ch

(Quelle: infowilplus.ch, 10.1.2013)

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