Sonntag, 6. Mai 2012

«Magische Momente»

Der Gare de Lion ist nicht nur für Junge da. Michael Sarbach, Programmchef, erklärt warum.

Herr Sarbach, wie vertragen sich solche «Oldies-Konzerte» mit dem Image des Gare de Lion als «Jugendschuppen»?

Michael Sarbach: Die Partys werden mehrheitlich von jüngeren Gästen zwischen 20 und 30 besucht. Das Publikum bei Konzerten setzt sich aber aus Gästen aller Altersgruppen zusammen. Ich würde nicht sagen, dass wir gezielt «Oldies-Konzerte» organisieren, sondern dass im Rahmen unseres äusserst breit gefächerten Kulturangebotes ab und zu Themen dabei sind, welche auch ein älteres Publikum ansprechen.
Gerade Acts wie Popa Chubby, Mothers Finest oder Philipp Fankhauser vermögen Musikbegeisterte über alle Altersgrenzen hinweg zu begeistern.

Was, glauben Sie, möchte die Elterngeneration sehen und hören im Gare de Lion?

Sarbach: Zumindest in der Tendenz interessiert sich das Publikum der Region Wil ab 40 weniger für neue Musik, Newcomer oder Experimente. Gefragt sind vor allem etablierte Künstler und Künstlerinnen in den Bereichen Rock, Funk, Blues und auch bekanntere Schweizer Acts.
Es ist aber so, dass wir uns als praktisch selbsttragender Kulturverein solche Acts nur in den seltensten Fällen leisten können. Die meisten Bemühungen scheitern darum häufig am Umstand, dass wir mit unserem Budget schlicht nicht mit den anderen Konzertveranstaltern mithalten können. Damit das Risiko für uns halbwegs tragbar bleibt und es zu einem Vertragsabschluss kommt, sind jeweils grosses Verhandlungsgeschick und gute persönliche Beziehungen gefragt.

Welche Erfahrungen haben Sie mit diesen Konzerten gemacht ?

Sarbach: Die Konzerte der beim «älteren» Publikum bekannteren internationalen Künstlerinnen und Künstler sind immer sehr gut besucht. Trotz den für unsere Verhältnisse hohen Eintrittspreisen enden sie in der Regel aber defizitär. Die Gagen sind um ein vielfaches höher, die Organisation aufwendiger und die Künstler anspruchsvoller. Im Gegensatz zu Partys kann man bei Konzerten leider nicht betriebswirtschaftlich rechnen. Man hätte sonst Ticketpreise, welche niemand bezahlen würde.
Die Verluste fangen wir einerseits mit den Subventionsbeiträgen, vor allem aber mit den Gewinnen der Partys und mit Lohnverzicht auf. Trotzdem finden immer wieder hochkarätige internationale Künstler einen Platz in unserem Programm – denn miterleben zu können, wie ein gut gelauntes Publikum diese magischen Live-Momente hier bei uns in Wil geniessen kann, ist für uns jedes Mal etwas ganz Besonderes.

Interview: Michael Hug
Quelle: Tagblatt Online, 05. Mai 2012 01:08:41

Keine Kommentare: