Donnerstag, 5. April 2012

Wort zum Gründonnerstag: Es bleibt still in Wil

Während andere Clubs, Bars, Pubs und Veranstalter aller Art in der Schweiz für das grosse Fest vor Karfreitag rüsten, bleibt es in Wil heute ganz besonders still. Grund dafür ist, dass nach Art. 8 des Gastwirtschaftsreglementes alle Anlässe an folgenden Tagen um spätestens Mitternacht aufhören müssen. Dies sind: Gründonnerstag, Karfreitag, Ostersonntag, Pfingstsonntag, Eidgenössischer Bettag, Heiliger Abend und Weihnachten. Ausnahmebewilligungen werden grundsätzlich nicht erteilt.

Diese Info dürfte für die meisten Leuten recht neu sein, denn auch ich kann mich nicht erinnern, dass dies in der Praxis jemals so war. Dabei ist dieses Reglement seit 1997 gültig und davor dürfte es eher schärfer formuliert gewesen sein. Ausgedehnte Beizentouren und gar grössere Veranstaltungen - insbesondere am Donnerstag vor Karfreitag und am Heiligen Abend - gehören seit Jahrzehnten schon zu den Ausgeh-Highlights unserer Stadt für die Jungen. Man denke nur an die beliebten SIMPLE Partys am Gründonnerstag oder an die legendären Weihnachtspartys in der Remise bzw. im Gare de Lion, welche mit wenigen Unterbrüchen in verschiedener Form seit über 20 Jahren stattfinden.

Doch damit ist nun offenbar Schluss. Mit weiteren Auflagen der Stadt gegenüber dem Kulturbahnhof Gare de Lion und angekündigten schärferen Kontrollen in allen anderen Betrieben, wird der Ruf von Wil als Schlafstadt zementiert. Dass die zuständigen Stellen der Stadt kontrollieren müssen, dass das Gastwirtschaftsreglement eingehalten wird, ist klar. Das ist ihre Aufgabe. Ich frage mich aber, warum die praktizierte Realität in den letzen Jahren offen toleriert wurde und jetzt ab 2012 plötzlich nicht mehr.

Für mich gehen diese Signale komplett in die falsche Richtung. Das Ausgehverhalten - insbesondere der jüngeren Generationen - hat sich verändert. Die Tatsache, dass die Partys vor Karfreitag und am Heiligen Abend im Gare de Lion die mit grossem Abstand umsatzstärksten Partys sind und nach meinen Erfahrungen alle Bars und Pubs rappelvoll sind, zeigen glasklar, dass die Nachfrage nach Ausgehmöglichkeiten in der Stadt Wil - ganz besonders an diesen Tagen - enorm ist. Für den grösstenteils ehrenamtlich geführten Kulturbetrieb Gare de Lion sind diese Einnahmen sogar existentiell wichtig. Die Veranstalter der SIMPLE - Party sind als Konsequenz nun nach Weinfelden ausgewichen. Ist das die Lösung? Besteht die Strategie der Stadt wirklich daraus, dass engagierte Wilerinnen und Wiler in andere Städte ausweichen sollen, damit es in Wil schön ruhig bleibt? Offenbar schon.

Ich werde die Fühler ausstrecken und nach Möglichkeiten suchen, ob und wie dieses offenbar nicht mehr zeitgemässe Gastwirtschaftsreglement entsprechend angepasst werden kann. Eine Mehrheit im Parlament zu finden dürfte sich aber als äusserst schwierig erweisen.

Keine Kommentare: