Montag, 14. November 2011

Kulturförderung ohne Grenzen


Am Donnerstagabend gründeten 22 Gemeinden aus dem Hinterthurgau und dem Grossraum Wil Thurkultur, einen Verein zur Förderung des kulturellen Schaffens. Thurkultur ist der Nachfolge-Verein von Kultur Südthurgau.


PHILIPP HAAG

RICKENBACH. Keine Wehmut war am Donnerstagabend im Thurlinden-Schulhaus von Rickenbach zu spüren, obwohl ein erfolgreiches Thurgauer Pilotprojekt symbolisch zu Grabe getragen wurde: Kultur Südthurgau, der Verein, der in den letzten Jahren die Kultur in der Region förderte. Wehmut kam deshalb nicht auf, «weil der Geist von Kultur Südthurgau weiterlebt», wie es Präsident Hans Suter ausdrückte. Keine Stunde nachdem Kultur Südthurgau aufgelöst worden war, wurde die Nachfolge-Organisation Thurkultur gegründet.
14 Hinterthurgauer Gemeinden

Da auch Thurkultur als Kulturförderer auftritt, war die Auflösung nur ein Zwischenschritt. Der Verein funktioniert nach dem Vorbild von Kultur Südthurgau, einfach für ein grösseres Gebilde. Zu den 14 Hinterthurgauer Gemeinden (Aadorf, Bettwiesen, Bichelsee-Balterswil, Braunau, Eschlikon, Fischingen, Lommis, Münchwilen, Rickenbach, Sirnach, Schönholzerswilen, Tobel-Tägerschen, Wängi und Wilen) stossen acht St. Galler (Bronschhofen, Kirchberg, Niederhelfenschwil, Oberbüren, Oberuzwil, Uzwil, Wil und Zuzwil); ausserdem sind einige Kulturschaffende und Institutionen dem Verein beigetreten. Thurkultur wirkt also über die Kantonsgrenze hinweg und «ermöglicht eine grenzenlose Kulturförderung», wie es Tagespräsident Bruno Gähwiler, Stadtpräsident von Wil, auf den Punkt brachte. Der Verein verwaltet und verteilt Gelder, mit denen kulturelle Veranstaltungen und Aktivitäten in den Gemeinden unterstützt werden. Dafür zahlt jede Gemeinde einen Franken pro Einwohner ein. Die Kantone Thurgau und St. Gallen verdoppeln den Betrag. Bereits steht aber eine Erhöhung zur Diskussion (siehe Kasten). Ausserdem kümmert sich Thurkultur, deren Geschäftsstelle an diejenige der Regio Wil angegliedert ist, um das Marketing für Kulturanlässe, indem beispielsweise eine Homepage aufgeschaltet wird, auf der alle Kulturanlässe in der Region Hinterthurgau/Wil aufgeführt sind.
Vorteile für alle

Thurkultur soll aber auch zu einer Art Netzwerk werden, über das die Kulturschaffenden und -veranstalter mit den Gemeinden sowie Wirtschaftsvertretern in Kontakt treten und sich austauschen können. «Thurkultur ist für alle und bringt Vorteile für alle», glaubt Gähwiler. Gegen die Gründung des Vereins gab es denn auch keine Einwände. Der einstimmig gewählte Vorstand ist auf Gemeindevertreter und Kulturschaffende sowie die beiden Kantone aufgeteilt. Als Präsident amtet Hans Suter, Rickenbach. Ihm zur Seite stehen als Vertreter der Politik Lilo Wellinger, Aadorf, Linus Calzaferri, Kirchberg, Bruno Gähwiler, Wil, und Dora Hadorn-Schär, Uzwil. Die Kultur-Vertreter sind Cornelia Scheiwiller, Fischingen, Marianne Schwyn, Littenheid, Monica Quinter, Zuzwil, und Michael Sarbach, Wil. Auch wenn der Verein auf 2012 aktiv wird, nimmt der Vorstand die Arbeit nun schon auf. «Wichtig ist, dass wir uns ein Profil erarbeiten», sagte Gähwiler.
70 000 Franken für Hinterthurgau

Das Budget des Vereins beträgt 220 000 Franken, wobei Förderbeiträge für die Thurgauer Gemeinden von 70 000 Franken, für diejenigen aus St. Gallen von 90 000 Franken vorgesehen sind. Die Summen sind aber erst Leitgrössen. Anträge für Unterstützungsgelder können bereits jetzt gestellt werden. Die Leistungsvereinbarungen mit den Kleinkunstveranstaltern Büx aus Sirnach und Gong aus Aadorf übernimmt Thurkultur. Das Vermögen von Kultur Südthurgau – etwa 10 000 Franken – überweist der Verein auf ein Sperrkonto. Das Geld darf nur für Kulturveranstaltungen im Hinterthurgau verwendet werden.

Tagblatt Online, 12. November 2011 01:04:54

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