Mittwoch, 7. September 2011

Den Politikern ins Wort gefallen

Dass sich in der Aula der Kantonsschule Wil jüngere und arrivierte Kandidierende für den National- und Ständerat treffen, kommt nicht jeden Tag vor. Dass den Politikern von Schülern das Wort abgeschnitten wird, noch seltener.

Larissa Flammer

In der Kantonsschule Wil wurde am vergangenen Montag hoher Besuch erwartet: Nebst sieben jungen fanden auch fünf arrivierte Kandidierende für den National- und Ständerat den Weg in die Schule. Das Publikum an diesem Anlass bestand aus den dritten und vierten Klassen der Kantonsschule. Dass nicht alle mit der gleichen Motivation an dieser Podiumsdiskussion teilnahmen, bestätigte Noah Oswald, einer der beiden Moderatoren, indem er seine Kollegen mit den Worten begrüsste: «Willkommen zu dieser Veranstaltung – auch wenn nicht alle freiwillig hier sind.»

Dank Info mitdiskutieren

Doris Dietler Schuppli, die Rektorin der Schule, erinnerte ihre Schützlinge daran, warum es sich lohne, den Politikern etwas Zeit zu opfern: «Nur wenn man genügend informiert ist, kann man mitdiskutieren.» Die zum Teil erst 18jährigen Politiker vermochten mit ihrem Wissen und ihrer Redegewandtheit dann durchaus zu überzeugen. Wer den beiden jungen Kandidierenden der Parteien SVP und SP zuhörte, wähnte sich beinahe in einer waschechten Nationalratsdiskussion.

Die Unterschiede zwischen den jungen Kandidierenden und den älteren, die zu einem Grossteil bereits im Nationalrat sind, waren gar nicht so einfach auszumachen. Die Jungpolitiker waren bei gewissen Themen sogar hartnäckiger, brachten starke Argumente für ihre Überzeugungen und vor allem auch schlagfertige Antworten, die ihnen mehr als einmal spontanen Applaus einbrachten.

Unter Zeitdruck

Etwas, was die Politiker wahrscheinlich eher selten erleben, ist, dass ihnen aus Zeitgründen das Wort abgeschnitten wird. Im Fall der Jungpolitiker sogar von den beiden Schülern, welche die Diskussion leiteten. Den zweiten Teil mit den arrivierteren Kandidierenden wie zum Beispiel den Wiler Nationalräten Yvonne Gilli und Lukas Reimann leitete Patrick Bernold, der an der Kantonsschule als Geschichtslehrer tätig ist. Auch er musste sich an die Zeit halten, damit das Schülerpublikum rechtzeitig zu den letzten beiden Stunden wieder in der Klasse sass. Aus diesem Grund erlebten auch die gestandenen Politiker, wie es ist, wenn man auf Äusserungen des Gegners nichts erwidern darf.

Wahlkampfthemen

Die Punkte, über die diskutiert wurde, haben zwei Maturandenklassen vorbereitet, und sie präsentierten diese jeweils zu Beginn mit Hilfe einiger Powerpointfolien. Da zu wenig Zeit vorhanden war, durfte jeder Politiker nicht viel mehr als ein kurzes Statement zu jedem Punkt abgeben. Diese überraschten nicht sonderlich, da die Themen im Wahlkampfprogramm enthalten sind. Die Schüler im Publikum haben so aber immerhin von jeder Partei einen Input gehört und können beim nächsten Mal mitdiskutieren.

Teilnehmer

Jüngere Kandidierende: Flurin Schmid (BDP), Karin Streule (CVP), Tobias Widmer (FDP), Johannes Leutenegger (GLP), Michael Sarbach (Grüne), Kristina Schüpbach (SP), Jeffrey Bleiker (SVP).
Arrivierte Kandidierende: Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Kurt Weigelt (FDP), Yvonne Gilli (Grüne), Hildegard Fässler (SP), Lukas Reimann (SVP).

(Quelle: Tagblatt Online, 07. September 2011 01:07:45, http://www.wilerzeitung.ch)

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