Montag, 20. Juni 2011

«Der Mist ist noch nicht geführt»

Die Wiler Zeitung hat zu einem Stammtischgespräch über die bevorstehende Abstimmung zur Gemeindefusion von Wil und Bronschhofen eingeladen. Dabei waren hauptsächlich kritische Stimmen gegenüber diesem Vorhaben zu vernehmen.

Silvan meile

Wil/Bronschhofen. Im Restaurant Speer-Viktoria, das bereits vor Jahren fusionierte, sprach die Wiler Zeitung mit Lesern über die bevorstehende Abstimmung zur Gemeindevereinigung von Wil und Bronschhofen. Tele Top sorgte dafür, dass das Stammtischgespräch auch in bewegten Bildern festgehalten wurde. «Der richtige Ort für ein solches Gespräch», findet der ehemalige Rossrütener Gemeinderat Otto Hug. «Auch wenn die beiden Restaurants damals ohne Abstimmung fusionierten», fügt er schmunzelnd hinzu. Bereits vor über zwanzig Jahren sei er für eine Fusion Rossrütis mit Wil gewesen, erzählt er. Doch damals sei diese Idee noch auf taube Ohren gestossen. Aus aktuellem Anlass bietet sie aber reichlich Diskussionsstoff.

Negative Signale im Vorfeld

Heute ist es anders. Das Dorf Rossrüti ist baulich und wirtschaftlich über die Jahre noch mehr nach Wil ausgerichtet, ein Zusammenschluss mit Wil mache daher Sinn. Auch Mario Schmitt, Wiler Parlamentspräsident und Mitglied der SVP, teilt als Gegner der Abstimmungsvorlage vom 3. Juli diese Meinung: «Der Wunsch aus der Bevölkerung für eine Gemeindevereinigung ist nur in Rossrüti zu spüren.» Ansonsten sei kaum Interesse aus der Bevölkerung erkennbar. Der Anstoss zur geplanten Gemeindevereinigung sei schliesslich aus einer Motion im Wiler Stadtparlament gekommen. Er übt Kritik an der Nachbargemeinde. «Die Signale im Vorfeld der geplanten Vereinigung, die von Bronschhofen gekommen sind, waren durchwegs negativ», sagt er und meint unter anderem die fehlende Bereitschaft der Bronschhofer zur Einführung der Stadtbus-Kindertarife oder das Festhalten auf Eigenständigkeit der verschiedenen Dorfkorporationen auf dem Bronschhofer Gemeindegebiet. Daran stört sich auch Michael Sarbach, Stadtparlamentarier der Grünen Prowil. Er verweist auf die Abgaben der Technischen Betriebe Wil an die Rechnung der Stadt, die jeweils einige Steuerprozente ausmachen und den Wiler Steuerfuss tief behalten. Dass die Strom- und Wasserbezüger der Dorfkorporationen in Bronschhofens dies in einer vereinigten Gemeinde nicht im gleichen Masse tun würden, ist für ihn unverständlich. Für Otto Hug hingegen ist dies «nur eine Frage der Zeit», bis auch die Korporationen der Technischen Betriebe angeschlossen werden.

Recht auf dieselben Leistungen

Auch die vom Kanton gesprochenen Förderbeiträge von 14,82 Millionen Franken kommen zur Sprache. Damit könne der tiefere Steuerfuss Wils während drei bis fünf Jahren auf die vereinigte Gemeinde angewendet werden, ist sich Schmitt sicher. «Damit sind aber keine Niveau-Anpassungen von Leistungen wie beispielsweise jene der Kinderbetreuung, der schulpsychologischen Dienste oder der Jugendarbeit berücksichtigt», ergänzt Sarbach. Und diese nicht anzupassen sind für ihn nicht rechtens. «Jeder Bürger einer Gemeinde hat das Recht auf gleiche Leistungen», verdeutlicht er und fügt hinzu, dass solche offenen Fragen im Vorfeld einer Vereinigung geklärt werden müssten.

«In Wil könnte es knapp werden»

Als Prognose zum Abstimmungsresultat meint Otto Hug, dass er hüben wie drüben an ein Ja glaube, auch wenn solche Vorlagen oftmals zwei Anläufe brauchten. Nach Schmitt und Sarbach könnte es auf dem Gebiet der Stadt Wil durchaus knapp werden. Sie bezeichnen die Abstimmungsunterlagen als «Ja-Werbung», wodurch es letztendlich wohl auf ein Ja hinauslaufen werde. Unbestritten sei die Vorlage wohl auf dem Gemeindegebiet von Bronschhofen. Die Hoffnung auf einen Ausgang nach ihren Vorstellungen haben sie aber noch nicht aufgegeben. «Der Mist ist noch nicht ganz geführt», bringt es Schmitt auf den Punkt.


(Quelle: Tagblatt Online, 17. Juni 2011 01:09:03, http://www.wiler-zeitung.ch)

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