Montag, 16. Mai 2011

Grosse Bands im intimen Rahmen

In der ehemaligen MThB-Remise und heutigem Gare de Lion neigt sich die Jubiläumssaison «20 Jahre Kultur beim Silo» dem Ende zu. Insbesondere drei Konzerte von international beachteten Bands stehen bis zum Saisonschluss im Juni noch auf dem Programm.

Silvan Meile

Vor drei Jahren ist das Konzert- und Partylokal Remise vom Verein Kulturzentrum Wil übernommen und in Gare de Lion umbenannt worden.

Die neuen Betreiber feiern in ihrer dritten Saison bereits ein grosses Jubiläum: «20 Jahre Kultur am Silo». Für den Verein Grund genug, um im Rahmen dieses Jubiläums auch international bekannte Künstler für einen Auftritt in Wil zu gewinnen. «Es war unsere Absicht, dass Konzerte von Bands, die sonst in deutlich grösseren Clubs spielen, in einem intimeren Rahmen in Wil besucht werden können», sagt Michael Sarbach, Vorstandsmitglied und Verantwortlicher für die Programmgestaltung im Gare de Lion. Dass dies gelungen ist, zeigt etwa der Auftritt der mexikanischen Crossover-Band Molotov. Auf ihrer Europatour im Juni spielen sie in Städten wie Berlin, Hamburg, London, Brüssel und Madrid. Am 10. Juni macht nun ihr Tourbus auch im Wiler Kulturbahnhof Halt. Aber auch die Auftritte von Mother's Finest am 21. Mai oder We Are Scientists am 7. Juni stehen für grosse Namen in einer kleinen Stadt. Der Auftritt der amerikanischen Indie-Rockband in der Äbtestadt wird sogar die einzige Show in der Schweiz sein.

«Wil hat keine Szene»

Sarbach bietet wie andere Clubs regelmässig bei Agenturen um Bands mit, die man gerne für einen Auftritt im Gare de Lion gewinnen möchte. Wer die höchste Gage bietet, hat die besten Karten. Für den Wiler Club insofern ein Problem, da er nicht mit den finanziellen Möglichkeiten anderer Veranstalter konkurrenzieren kann. «Die unterschiedlichen Budgets sind ein Problem», sagt Sarbach. Trotzdem schaffe man es aber, in der Programmqualität mit Clubs in St. Gallen oder Winterthur mitzuhalten. Aufgrund der Grösse der Stadt Wil würden aber Konzerte unter der Woche zu wenig Besucher anziehen. «Wil hat keine Szene», erklärt Sarbach. An Sparten-Gruppierungen, auf die bei einem Konzert eines gewissen Musikstils als Stammpublikum gezählt werden kann, fehlt es in Wil. Aus diesem Grund ist man bei Konzertveranstaltungen im Gare de Lion auch immer wieder auf auswärtiges Publikum angewiesen. Ausserdem werden die Konzerttermine, wenn immer möglich, auf das Wochenende angesetzt.

Finanzierung durch Parties

Zu den Gagen, die sich je nach Bekanntheitsgrad der Band rasch im vierstelligen Bereich bewegen können, kommen auch noch Agentur-Kommissionen, Quellensteuern und eine Hotelrechnung dazu. «Dadurch kommen schnell mehrere Tausend Franken zusammen, ohne Gage», bemerkt Sarbach.

Doch mit gut besuchten Party-Veranstaltungen macht man im Gare de Lion eine gewisse Quersubventionierung. So hält man sich trotz der in den vergangenen Jahren gestiegenen Gagenforderungen der Bands im Kulturbahnhof über Wasser. Ausserdem arbeitete der sechsköpfige Vorstand bisher für eine symbolische Entschädigung. Auf Zuverlässigkeit und Professionalität muss trotzdem gezählt werden können. «Das Engagement übersteigt ein Hobby, es braucht auch viel Herzblut», findet Sarbach.

Auch für ältere Generationen

Nachdem die vorherigen Betreiber der Remise mit Konzerten in den Musiksparten Punk und Metall einen nationalen Ruf schafften, besann man sich beim Verein Kulturzentrum Wil wieder auf den Grundgedanken der Wiler Remise zurück: Ein breites kulturelles Angebot anbieten, in dem nebst Parties und Konzerten auch Veranstaltungen wie Lesungen, Theater oder Tango-Tanz Platz haben, statt sich auf eine Musiksparte festzulegen. «Uns ist es wichtig, dass es in Wil einen Club gibt, in dem unterschiedliche Veranstaltungen stattfinden», erklärt Sarbach. Erfreulicherweise sei mit gewissen Anlässen auch ein älteres Publikum für den Gare de Lion interessant geworden. Trotzdem haftet bei älteren Generationen noch immer ein verruchter Ruf am Lokal beim Silo. Auch wenn der Gare de Lion eines der ersten Lokale Wils war, das sich seit 2008 konsequent an das Rauchverbot hält.

Im Rahmen des Jubiläums «20 Jahre Kultur beim Silo» präsentiert der Kulturbahnhof Gare de Lion weitere drei Konzerte: Mother's Finest, Samstag, 21. Mai. We Are Scientists, Dienstag, 7. Juni. Molotov, Freitag, 10. Juni.

Tagblatt Online, 14. Mai 2011 01:09:00

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