Dienstag, 22. November 2011

JA zur Abschaffung der Pauschalbesteuerung!

Mit dem Slogan „Kein Linkes Eigengoal!“ und unzähligen Inseraten, Flyer und Plakaten bekämpft ein Komitee die Initiative „Pauschalsteuer abschaffen“. Von wem diese sehr kostenintensive Kampage wohl finanziert wird, ist für mich naheliegend. Es geht bei dieser Frage aber meines Erachtens nicht um „links“ oder „rechts“, „liberal“ oder „konservativ“. Es geht um nichts anderes als Fairness gegenüber der eigenen Bevölkerung. Warum sollen reiche Ausländer mit der Steuerverwaltung verhandeln und massiv weniger Steuern bezahlen dürfen? Genau jene, die es sich am meisten leisten können auch einen fairen Beitrag an die Allgemeinheit zu leisten? Ich finde, die ausländischen Milliardäre sollen im Kanton St.Gallen den gleichen Anteil Steuern bezahlen, wie alle rechtschaffenden BürgerInnen dies auch tun müssen. Der aktuelle Zustand ist nichts anderes als eine Diskriminierung aller SchweizerInnen.
Im Kanton Zürich wurde die Pauschalsteuer erfolgreich abgeschafft und es hat sich gezeigt, dass nur einige wenige reiche AusländerInnen weggezogen sind. Die von der Gegnerschaft propagierten negativen Auswirkungen blieben aus; im Gegenteil: Unter dem Strich profitieren nun alle Steuerzahler davon, weil die Gemeinden heute deutlich mehr Einnahmen erzielen. Dies dank der grossen Mehrheit jener reichen AusländerInnen, welche geblieben sind und heute regulär Steuern bezahlen. Für die meisten Leute gibt es nämlich noch andere Kriterien für die Wahl ihres Wohnortes als nur der Steuerfuss – unsere schöne Ostschweiz hat da definitiv mehr zu bieten!
Ich bin nicht für eine Extrawurst für reiche AusländerInnen auf dem Buckel der „gewöhnlichen“ SteuerzahlerInnen und lege darum ein überzeugtes JA zur Initiative ein!

Michael Sarbach
Mitglied Stadtparlament Wil, GRÜNE prowil

Montag, 14. November 2011

Kulturförderung ohne Grenzen


Am Donnerstagabend gründeten 22 Gemeinden aus dem Hinterthurgau und dem Grossraum Wil Thurkultur, einen Verein zur Förderung des kulturellen Schaffens. Thurkultur ist der Nachfolge-Verein von Kultur Südthurgau.


PHILIPP HAAG

RICKENBACH. Keine Wehmut war am Donnerstagabend im Thurlinden-Schulhaus von Rickenbach zu spüren, obwohl ein erfolgreiches Thurgauer Pilotprojekt symbolisch zu Grabe getragen wurde: Kultur Südthurgau, der Verein, der in den letzten Jahren die Kultur in der Region förderte. Wehmut kam deshalb nicht auf, «weil der Geist von Kultur Südthurgau weiterlebt», wie es Präsident Hans Suter ausdrückte. Keine Stunde nachdem Kultur Südthurgau aufgelöst worden war, wurde die Nachfolge-Organisation Thurkultur gegründet.
14 Hinterthurgauer Gemeinden

Da auch Thurkultur als Kulturförderer auftritt, war die Auflösung nur ein Zwischenschritt. Der Verein funktioniert nach dem Vorbild von Kultur Südthurgau, einfach für ein grösseres Gebilde. Zu den 14 Hinterthurgauer Gemeinden (Aadorf, Bettwiesen, Bichelsee-Balterswil, Braunau, Eschlikon, Fischingen, Lommis, Münchwilen, Rickenbach, Sirnach, Schönholzerswilen, Tobel-Tägerschen, Wängi und Wilen) stossen acht St. Galler (Bronschhofen, Kirchberg, Niederhelfenschwil, Oberbüren, Oberuzwil, Uzwil, Wil und Zuzwil); ausserdem sind einige Kulturschaffende und Institutionen dem Verein beigetreten. Thurkultur wirkt also über die Kantonsgrenze hinweg und «ermöglicht eine grenzenlose Kulturförderung», wie es Tagespräsident Bruno Gähwiler, Stadtpräsident von Wil, auf den Punkt brachte. Der Verein verwaltet und verteilt Gelder, mit denen kulturelle Veranstaltungen und Aktivitäten in den Gemeinden unterstützt werden. Dafür zahlt jede Gemeinde einen Franken pro Einwohner ein. Die Kantone Thurgau und St. Gallen verdoppeln den Betrag. Bereits steht aber eine Erhöhung zur Diskussion (siehe Kasten). Ausserdem kümmert sich Thurkultur, deren Geschäftsstelle an diejenige der Regio Wil angegliedert ist, um das Marketing für Kulturanlässe, indem beispielsweise eine Homepage aufgeschaltet wird, auf der alle Kulturanlässe in der Region Hinterthurgau/Wil aufgeführt sind.
Vorteile für alle

Thurkultur soll aber auch zu einer Art Netzwerk werden, über das die Kulturschaffenden und -veranstalter mit den Gemeinden sowie Wirtschaftsvertretern in Kontakt treten und sich austauschen können. «Thurkultur ist für alle und bringt Vorteile für alle», glaubt Gähwiler. Gegen die Gründung des Vereins gab es denn auch keine Einwände. Der einstimmig gewählte Vorstand ist auf Gemeindevertreter und Kulturschaffende sowie die beiden Kantone aufgeteilt. Als Präsident amtet Hans Suter, Rickenbach. Ihm zur Seite stehen als Vertreter der Politik Lilo Wellinger, Aadorf, Linus Calzaferri, Kirchberg, Bruno Gähwiler, Wil, und Dora Hadorn-Schär, Uzwil. Die Kultur-Vertreter sind Cornelia Scheiwiller, Fischingen, Marianne Schwyn, Littenheid, Monica Quinter, Zuzwil, und Michael Sarbach, Wil. Auch wenn der Verein auf 2012 aktiv wird, nimmt der Vorstand die Arbeit nun schon auf. «Wichtig ist, dass wir uns ein Profil erarbeiten», sagte Gähwiler.
70 000 Franken für Hinterthurgau

Das Budget des Vereins beträgt 220 000 Franken, wobei Förderbeiträge für die Thurgauer Gemeinden von 70 000 Franken, für diejenigen aus St. Gallen von 90 000 Franken vorgesehen sind. Die Summen sind aber erst Leitgrössen. Anträge für Unterstützungsgelder können bereits jetzt gestellt werden. Die Leistungsvereinbarungen mit den Kleinkunstveranstaltern Büx aus Sirnach und Gong aus Aadorf übernimmt Thurkultur. Das Vermögen von Kultur Südthurgau – etwa 10 000 Franken – überweist der Verein auf ein Sperrkonto. Das Geld darf nur für Kulturveranstaltungen im Hinterthurgau verwendet werden.

Tagblatt Online, 12. November 2011 01:04:54

Freitag, 11. November 2011

Paul Rechsteiner - die richtige Wahl!

Mit Verwunderung und grossem Unverständnis habe ich zur Kenntnis genommen, dass die CVP Michael Hüppi als Ständeratskandidaten nominiert hat. Ein Quereinsteiger gänzlich ohne politische Erfahrung, welcher für das St.Galler Wahlvolk bis heute ein unbeschriebenes Blatt ist. Wieso wurde von der CVP mangels geeigneter KandidatInnen nicht auf eine Kandidatur im zweiten Wahlgang verzichtet? Der Ständerat ist definitiv der absolut falsche Ort, um erste politische Erfahrungen zu sammeln. Der Kanton St.Gallen braucht starke, erfahrene und politisch aktive Persönlichkeiten mit entsprechendem Leistungsausweis. Auch wenn die CVP mit diesem waghalsigen Experiment erfolgreich sein würde: Michael Hüppis Bemühungen würden in Bern wirkungslos verpuffen.
Meiner Meinung nach erfüllt von den drei verbliebenen Kandidaten nur Paul Rechsteiner die nötigen Voraussetzungen, die es im Stöckli braucht. Er ist eine starke gradlinige Persönlichkeit und macht seit bald 35 Jahren aktiv Politik. In den 25 Jahren als Nationalrat hat er sich ein Netzwerk in Bern aufgebaut, ist den Mitgliedern des Ständerates persönlich bekannt, wird aufgrund seines enormen Leistungsausweises von ihnen respektiert und kann somit Brücken über Parteigrenzen hinweg schlagen. Paul Rechsteiner kann den Kanton St.Gallen nicht nur würdig vertreten, sondern er kann auch aktiv etwas bewegen!

Michael Sarbach
Mitglied Stadtparlament Wil, Junge Grüne & KulturfreundInnen

Mittwoch, 7. September 2011

Zehn Wiler wollen nach Bern

Für die Nationalratswahlen kandidieren insgesamt 27 Personen aus dem Einzugsgebiet der Wiler Zeitung. Auffallend ist, dass der grösste Teil der Bewerber aus der Äbtestadt stammt.

Nadja STRICKER SANCHEZ

Region. Um die zwölf Nationalratssitze im Kanton St. Gallen bewerben sich 176 Personen auf 15 Listen. Das sind ein Viertel weniger Kandidierende als 2007. Mit 59 Frauen und 117 Männern auf den Listen erreicht der Frauenanteil 33,5 Prozent gegenüber 32,9 Prozent vor vier Jahren. Für die Ständeratswahlen kandidieren sechs Personen. Die Wahlen finden am 23. Oktober statt.

Kirchberg als Nummer 2

Unter den sechs Ständeratskandidaten befinden sich mit Regierungsrätin Karin Keller-Sutter (FDP) und Yvonne Gilli (Grüne) auch zwei Wilerinnen.

Von den 176 Nationalratskandidaturen stammen deren 27 aus dem Einzugsgebiet der Wiler Zeitung. Davon sind sieben Frauen. Mit Theophil Pfister (SVP) aus Flawil tritt ein bisheriger Nationalrat zurück. Mit Lukas Reimann aus Wil (SVP) und Yvonne Gilli treten zwei Bisherige aus unserer Region wieder an.

Von den 27 Kandidaten sitzen deren sechs im St. Galler Kantonsrat, und deren fünf politisieren im Wiler Stadtparlament. Am meisten Kandidaten stammen aus der Äbtestadt, nämlich deren zehn. Fünf Bewerber aus Kirchberg und drei aus Bronschhofen sind weitere Häufungen. Ansonsten verteilt sich der Rest der Bewerber auf andere Gemeinden des Einzugsgebietes der Wiler Zeitung.

Grüner auf Listenplatz 1

Die Junge CVP schickt auf dem sechsen Listenplatz die Kauffrau und Betriebswirtschaftsstudentin Cristina Steinmann aus Zuckenriet ins Rennen. Die SVP nominiert neben Reimann den Rossrütener Lorenz Egli. Er ist Meisterlandwirt und hat im Kantonsrat Einsitz. Ebenfalls zwei regionale Kandidierende sind auf der Hauptliste der Sozialdemokratischen Partei und Gewerkschaften zu finden. Die Wiler Stadträtin und Sozialpädagogin Barbara Gysi und der Sekundarlehrer und Schulleiter Donat Ledergerber aus Kirchberg wollen in den Nationalrat. Beide sitzen im Kantonsrat. Auf dem letzten Listenplatz der Sozialdemokratischen Partei und Gewerkschaften, Juso, ist die Schülerin Vera Matjaz aus Degersheim aufgeführt.

Die Eidgenössisch-Demokratische Union setzt zum einen auf David Fitze, Gebäudetechnikingenieur und Immobilienmanager aus Schwarzenbach, und zum anderen auf Hans-Jörg Höpli, Personalberater aus Rossrüti. Die CVP setzt ihr Vertrauen in drei Personen aus der Region Wil: Thomas Feller, Unternehmer und Berater aus Kirchberg, Elmar Mäder, Wil, Jurist, Geschäftsführer und ehemaliger Gardekommandant, sowie Martha Storchenegger aus Schwarzenbach, Heimleiterin und Kantonsrätin, sollen Stimmen für die Christlichsozialen gewinnen. Neben Yvonne Gilli (Grüne) kandidiert der Wiler Stadtparlamentarier und Betriebsökonom Luc Kauf für den Nationalrat.

Bei den Jungen Grünen steht Michael Sarbach, der ebenfalls im Wiler Stadtparlament sitzt und als Fachlehrkraft Musik und Betriebsleiter Gastro arbeitet, auf dem begehrten ersten Listenplatz. Der angehende Tierarzt Sebastian Koller, ebenfalls Stadtparlamentarier aus Wil, und Moritz Schaltegger, Automatiker aus Flawil, wollen für die Grünen ins Parlament.
Präsidentin kandidiert

Die Region für die FDP vertreten wollen Marc Mächler aus Zuzwil. Er ist Kantonsrat und Präsident der Kantonalpartei. Die Gemeindepräsidentin Imelda Stadler aus Lütisburg sitzt ebenfalls im Kantonsrat und hegt Ambitionen für den Nationalrat. Roman Rutz, Student, Berufsschullehrer und Stadtparlamentarier aus Wil, sowie Franz Sutter, Lebensmitteltechnologe aus Oberuzwil, kandidieren für die Evangelische Volkspartei.

Kantischüler will es wissen

Auf der Hauptliste der Grünliberalen stellen sich Daniel Gerber, Unternehmensberater, Ökologe und Ausbilder, aus Bronschhofen und die Wiler Stadtparlamentarierin Erika Häusermann, Chemielaborantin und Musiklehrerin, zur Wahl. Stefan Widmer, Gärtner und Berufsmaturand aus Kirchberg, und der Wiler Kantonsschüler Johannes Leutenegger steigen für die Jungen Grünliberalen ins Rennen.

Die Bürgerlich-Demokratische Partei steuert drei Kandidierende aus der Region bei. Roland Breitler, Kommunikationsfachmann, und Veronika Breitler-Voigt, Ärztin, sind beide aus Kirchberg. Das Trio wird mit dem Primarlehrer und Schulleiter Patrick Hilb aus Zuzwil vervollständigt.


(Quelle: Tagblatt Online, 29. August 2011 01:08:52, http://www.wilerzeitung.ch

Den Politikern ins Wort gefallen

Dass sich in der Aula der Kantonsschule Wil jüngere und arrivierte Kandidierende für den National- und Ständerat treffen, kommt nicht jeden Tag vor. Dass den Politikern von Schülern das Wort abgeschnitten wird, noch seltener.

Larissa Flammer

In der Kantonsschule Wil wurde am vergangenen Montag hoher Besuch erwartet: Nebst sieben jungen fanden auch fünf arrivierte Kandidierende für den National- und Ständerat den Weg in die Schule. Das Publikum an diesem Anlass bestand aus den dritten und vierten Klassen der Kantonsschule. Dass nicht alle mit der gleichen Motivation an dieser Podiumsdiskussion teilnahmen, bestätigte Noah Oswald, einer der beiden Moderatoren, indem er seine Kollegen mit den Worten begrüsste: «Willkommen zu dieser Veranstaltung – auch wenn nicht alle freiwillig hier sind.»

Dank Info mitdiskutieren

Doris Dietler Schuppli, die Rektorin der Schule, erinnerte ihre Schützlinge daran, warum es sich lohne, den Politikern etwas Zeit zu opfern: «Nur wenn man genügend informiert ist, kann man mitdiskutieren.» Die zum Teil erst 18jährigen Politiker vermochten mit ihrem Wissen und ihrer Redegewandtheit dann durchaus zu überzeugen. Wer den beiden jungen Kandidierenden der Parteien SVP und SP zuhörte, wähnte sich beinahe in einer waschechten Nationalratsdiskussion.

Die Unterschiede zwischen den jungen Kandidierenden und den älteren, die zu einem Grossteil bereits im Nationalrat sind, waren gar nicht so einfach auszumachen. Die Jungpolitiker waren bei gewissen Themen sogar hartnäckiger, brachten starke Argumente für ihre Überzeugungen und vor allem auch schlagfertige Antworten, die ihnen mehr als einmal spontanen Applaus einbrachten.

Unter Zeitdruck

Etwas, was die Politiker wahrscheinlich eher selten erleben, ist, dass ihnen aus Zeitgründen das Wort abgeschnitten wird. Im Fall der Jungpolitiker sogar von den beiden Schülern, welche die Diskussion leiteten. Den zweiten Teil mit den arrivierteren Kandidierenden wie zum Beispiel den Wiler Nationalräten Yvonne Gilli und Lukas Reimann leitete Patrick Bernold, der an der Kantonsschule als Geschichtslehrer tätig ist. Auch er musste sich an die Zeit halten, damit das Schülerpublikum rechtzeitig zu den letzten beiden Stunden wieder in der Klasse sass. Aus diesem Grund erlebten auch die gestandenen Politiker, wie es ist, wenn man auf Äusserungen des Gegners nichts erwidern darf.

Wahlkampfthemen

Die Punkte, über die diskutiert wurde, haben zwei Maturandenklassen vorbereitet, und sie präsentierten diese jeweils zu Beginn mit Hilfe einiger Powerpointfolien. Da zu wenig Zeit vorhanden war, durfte jeder Politiker nicht viel mehr als ein kurzes Statement zu jedem Punkt abgeben. Diese überraschten nicht sonderlich, da die Themen im Wahlkampfprogramm enthalten sind. Die Schüler im Publikum haben so aber immerhin von jeder Partei einen Input gehört und können beim nächsten Mal mitdiskutieren.

Teilnehmer

Jüngere Kandidierende: Flurin Schmid (BDP), Karin Streule (CVP), Tobias Widmer (FDP), Johannes Leutenegger (GLP), Michael Sarbach (Grüne), Kristina Schüpbach (SP), Jeffrey Bleiker (SVP).
Arrivierte Kandidierende: Lucrezia Meier-Schatz (CVP), Kurt Weigelt (FDP), Yvonne Gilli (Grüne), Hildegard Fässler (SP), Lukas Reimann (SVP).

(Quelle: Tagblatt Online, 07. September 2011 01:07:45, http://www.wilerzeitung.ch)

Engagierte Diskussionen um nationale Themen

Die unterschiedlichen Haltungen zu aktuellen Themen kamen seitens der verschiedenen Parteiexponenten deutlich zum Ausdruck.

Niklaus Jung

Neben aktiven Politgrössen aus SVP, CVP, FDP, SP und Grüne diskutierten am Montagmittag gleich sieben Jung-Politiker aus verschiedenen Lagern an der Kanti Wil vor prall gefüllter Aula zu aktuellen politischen Themen. Zu Armee, über Sozialwerke bis zu Energiefragen kamen erwartungsgemäss unterschiedliche Meinungen daher. Rektorin Doris Dietler Schuppli betonte eingangs den Stellenwert für die Studierenden, sich mit politischen Themen auseinander zu setzen.

Ob nun delegiert oder selber interessiert an der Politdiskussionin der Kanti Wil teilzunehmen war bei der grossen Zahl Studierenden im Saal nicht feststellbar. Die optimale Aufmerksamkeit und Stille liessen darauf schliessen, dass die Meinungen der verschiedenen politischen Lager interessierten. Zumindest bei den "Jung-Politikern" konnten sich zahlreiche Studierende die Vorstellung machen, vom Alter her selber auf der Bühne stehen zu können.

Nicht gegen eine Armee, aber reduziert
Bei den Jung-Politikern gab es schon stark abweichende Meinungen über wie viel Armee in der Schweiz, aber keines war grundsätzlich für Abschaffung der Armee. Während Kristina Schüpbach von der Juso mit 10'000 Mann zufrieden wäre, sieht Flurin Schmid als angehender Leutnant die Armee in der heutigen Form richtig für Friedensförderung und Schutz der Bevölkerung. Mit zwei scharfen Einsätzen pro Tag im Durchschnitt ob Luftraumverletzungen sei auch die Flugwaffe gerechtfertigt, was bei der Juso als Nostalgiehaltung aus dem 2. Weltkrieg abgetan wird.

Tobias Widmer (FDP) sieht die Armee von heute gerechtfertigt, aber mit sparsamerem Umgang mit Munition und teuren Übungen. Jeffrey Bleiker (SVP) betonte die unnötigen Auslandeinsätze der Armee, Michael Sarbach (Grüne) sieht die Armee als untaugliches Mittel zum Schutz und viel zu gross. Karin Streule von der J-CVP befürwortet die Armee, sieht aber eine mittlere Reduktion angezeigt. Sie fordert weiter über die Abschaffung der Dienstpflicht nachzudenken. Nach Johannes Leutenegger sind die seitens Bundesrat Maurer geforderten 6 Mia für die Armee total überrissen.

Volk soll über Abschaltung der AKW entscheiden

Breiten Raum nahm die Energiepolitik in der Diskussion ein. Jeffrey Bleiker (SVP) sieht ganze Industrien zusammenbrechen bei Abschaltung der AKW. Der Bundesrat habe ohne jegliche Pläne den Ausstieg beschlossen, er stehe für einen Volksentscheid ein in dieser Sache. Seitens der Juso betonte Schüpbach, dass vor Fukushima alle von einer sicheren Energie sprachen, das Gegenteil habe sich erwiesen. Auch Mühleberg in der Schweiz sei nicht sicher. Flurin Schmid von der BDP sieht den schrittweisen Ausstieg wie geplant richtig.

Michael Sarbach (Grüne) zeigte sich befremdet, dass man den kommenden Wirtschaftszweig mit alternativen Energien nicht anerkennen wolle. Tobias Widmer (FDP) sieht wie die SVP zu viele Arbeitsplätze gefährdet mit dem Ausstieg. Johannes Leutenegger (GLP) forderte die ökologische Steuerreform, um den Alternativenergien den Vorzug zu geben. Karin Streule (J-CVP), kürzlich nach Bern umgezogen zeigte sich betroffen, wie sie im Empfangspaket Jod-Tabletten vorgefunden habe, klares Zeichen dass Gefahren drohen.

Energie auch bei Aktiven Thema

Die zweite Diskussionsrunde mit aktiven Politgrössen galt neben dem Thema Energie auch der Sozialpolitik und der Haltung zur EU. Bei der Kernenergie ist bei Yvonne Gilli (Grüne) nicht der Termin, sondern der Entscheid Ausstieg wichtig. Diese Haltung hätten sie schon vor Fukushima gehabt. Für Hildegard Fässler (SP) ist gerade der klare Entscheid Ausstieg wichtig, damit die Wirtschaft Planungssicherheit erhalte. Allein die fehlenden Örtlichkeiten für Endlager, niemand wolle es, müsse den Ausstieg ermöglichen.

Kurt Weigelt (FDP) sieht die Versorgungssicherheit gefährdet mit einem sofortigen Ausstieg. Gerade die Ostschweiz lebe derzeit von 75% Kernenergie. Zuerst müssten Alternativenergien funktionieren, bevor ein Ausstieg beschlussfähig sei. Auch Lukas Reimann (SVP) ist der Ausstieg unrealistisch. Der Schnellschuss ohne Plan sei unseriös. Lucrezia Meier-Schatz (CVP) plädierte klar für Ausstieg. Die Wirtschaft brauche ein klares Zeichen, was auch seitens des Ständerates kommende Woche gefordert sei.

Sozialpolitik und EU
Bei der CVP (Meier-Schatz) geht es in Sachen Sozialpolitik um die langfristige Sicherung der Sozialwerke. Nach Weigelt braucht es dazu das Rentenalter 67. Hildegard Fässler (SP) stört es, dass Gutverdienende weniger Sozialbeiträge bezahlen als der "Kleine Mann". Alter 67 für Pension ist nach Fässler nicht realistisch. Yvonne Gilli (Grüne) sieht die Senkung des BVG-Satzes nur als Teil des Problems. Die Vorbezüge aus der Pensionskasse seien weiteres Problem. Sozialwerke müssten solidarisch finanziert werden, da gehe es auch um "Finanzieren wollen". Lukas Reimann (SVP) kritisierte die Haltung der Linken nach immer mehr Geldern, ohne Gegensteuer wären wir längst ein Griechenland 2, betonte er. Nach Weigelt liegt in den Vorstössen auch viel Polemik.

Beim EU-Beitritt bleibt Hildegard Fässler (SP) beim Ja, weil sie sich gewohnt sei, bei Entscheiden mitreden zu können. Die Schweiz laufe dauernd der EU hinten nach, indem sie sich automatisch EU-Recht anpasse. Luxemburg, viel kleiner als die Schweiz beweise, dass man erfolgreich mitreden kann. Nach Meier-Schatz (CVP) gilt es, die Schiene "Bilaterale Verträge" weiter zu verfolgen, der EWR wäre keine Lösung. Nach Weigelt (FDP) muss die Euro-Krise im Auge bleiben. Das Ziel muss sein, den Abbau von Arbeitsplätzen zu verhindern. Lukas Reimann (SVP) sieht die automatische Anpassung an EU-Recht falsch, die Schweiz habe oftmals bessere Lösungen. Es sei offensichtlich, dass die EU so wie heute nicht funktionieren könne auf lange Sicht.

Eine Kündigung der Personenfreizügigkeit ist nach Gilli (Grüne) nicht tragbar. Die Zuwanderung müsse durchaus im Auge behalten bleiben, um Immobilienpreise nicht steigen zu lassen und die Zersiedlung zu verhindern. Sie fordert eher die spekulativen Frankenanlagen mit geeigneten Mitteln zu verhindern. Ihrer Meinung nach braucht es längerfristig noch ein zweites Milliardenpaket, um die Wirtschaft in Schwung zu halten.

(Quelle: infowilplus.ch, Niklaus Jung)

Dienstag, 26. Juli 2011

Gemeindefusion: Wenn schon, dann richtig

Die Bürgerschaften von Wil und Bronschhofen haben sich dieses Wochenende deutlich für die Vereinigung der beiden Gemeinden ausgesprochen. Mit der Zustimmung zum Vereinigungsbeschluss nimmt die Bevölkerung unserer Ansicht nach beträchtliche Risiken in Kauf, während zumindest aus Wiler Sicht noch keine konkreten Vorteile erkennbar sind. Selbstverständlich respektieren wir den Volksentscheid und sind bereit, ihn im positiven Sinn als Herausforderung anzunehmen. Wir werden das Mögliche tun, damit sich die im Vorfeld geäusserten Befürchtungen nicht bewahrheiten. Sollten sich die Bedenken jedoch als berechtigt erweisen, werden wir uns auch erlauben, die Gewinner des heutigen Abstimmungswochenendes daran zu erinnern.
Im Stadtparlament haben wir uns vergeblich darum bemüht, mittels Rückweisung des Vereinigungsbeschlusses an den Stadtrat eine Korrektur der Schwachpunkte zu erwirken. Hiermit meinen wir insbesondere die massive Ungleichbehandlung der Bevölkerung in den beiden Gemeindeteilen, welche die provisorische Gemeindeordnung mit sich bringt. Da es keinen Weg zurück mehr gibt, werden wir uns nun mit aller Kraft dafür einsetzen, dass es nicht bei einer halben Fusion bleibt und dass diese Ungleichheiten möglichst rasch verschwinden. In der vereinigten Gemeinde sollen alle Bürgerinnen und Bürger gleiche Rechte und Pflichten haben.
Für uns steht fest, dass die Gemeindevereinigung die Stadt Wil in ihrer Entwicklung zu einem fortschrittlichen, urbanen Regionalzentrum nicht behindern darf. Wir hoffen, dass die Bevölkerung sowie die politischen Entscheidungsträger der neuen Gemeinde genügend Investitionsbereitschaft aufbringen, um dieses Ziel trotz fusionsbedingter Mehrbelastungen weiter zu verfolgen. Die Jungen Grünen werden sich auch künftig als kritisch-konstruktive für das Wohl der Stadt Wil einsetzen. Dabei zählen wir auch auf die Unterstützung all jener Bronschhofer/-innen, die sich fortan als Wiler/-innen verstehen.

3. Juli 2011, Junge Grüne Wil
Sebastian Koller, Mitglied des Stadtparlaments
Michael Sarbach, Mitglied des Stadtparlaments

Freitag, 24. Juni 2011

NEIN zu einer Fusion mit Wil als Verliererin!

Am 3. Juli entscheidet das Wiler Stimmvolk über die Gemeindevereinigung mit Bronschhofen. Insbesondere auch durch die politikwissenschaftliche Brille ist für mich klar: Eine Vereinigung macht Sinn und soll aktiv angestrebt werden. Der Wiler Stadtrat hat sich in den Verhandlungen jedoch sehr unvorteilhaft verhalten. Der sich selbst auferlegte und für mich nicht nachvollziehbare Zeitdruck hat die ganzen Verhandlungen dominiert. Mit folgendem „Resultat“: Vorteile für Wil gibt es keine - im Gegenteil - die finanziellen Konsequenzen bleiben wie viele weitere Fragen ungeklärt und es drohen chaotische Zustände für die Bevölkerung. Nicht einmal der erhoffte Vorteil von nennenswerten Baulandreserven in Bronschhofen hat sich bewahrheitet.

Es kann nicht sein, dass in den beiden Teilen der neuen Stadt der Steuerfuss gleich ist, die Leistungen jedoch nicht. Wiler SchülerInnen, welche eine Schule in Bronschhofen besuchen müssen, profitieren nicht von den gleichen Betreuungsleistungen. Ebenfalls nur in einem Stadtgebiet gibt es den Viertelstundentakt und ein Nachttaxiangebot. Die WilerInnen bringen mit der TBW ein millionenschweres Unternehmen in die gemeinsame Gemeinde und tragen als Kunden via Gewinnabgabe aktiv zu mehr als 15% tieferen Steuern für das gesamte Gemeindegebiet bei. Das Quartier Bronschhofen hingegen, behält seine Kooperationen und deren Gewinne für sich und lässt sich dadurch von der Wiler Bevölkerung erst noch einen tiefen Steuerfuss subventionieren. Auch die Aufteilung in zwei Wahlkreise in Verbindung mit der Vergrösserung des Gesamtparlamentes macht für mich keinen Sinn. BewohnerInnen aus Bronschhofen können keine KandidatInnen aus Wil wählen und umkehrt. Ist das ein politischer Zusammenschluss? Die politische Vielfalt wird massiv beschnitten, weil Kleinparteien, unabhängige Gruppierungen und Jungparteien durch die Reduktion der Sitzzahl für den Wahlkreis Wil künftig wohl keine Chance mehr auf Mitsprache im Parlament haben. Zudem sieht es für mich so aus, als würde die Fusion dazu missbraucht, unbequemen Diskussionen mit der Bevölkerung aus dem Weg zu gehen und sich durch die Hintertüre verschiedenen „Problemen“ wie z.B. der Kathi-Frage zu entledigen.

Der Hauptausschlag für ein Nein zur Vereinigung gibt mir aber folgender Sachverhalt: Es gibt heute enorme Leistungsniveauunterschiede in den zwei Gemeinden. Da alle BürgerInnen ein Recht auf gleiche Leistungen haben, muss das Niveau von Bronschhofen angepasst oder jenes von Wil gesenkt werden. Ersteres kostet mehrere Millionen zusätzliche Steuergelder. Wahrscheinlicher ist daher leider ein Leistungsabbau, wohl hauptsächlich in den Bereichen Kinderbetreuung, ÖV, Kultur, Umweltpolitik und Beiträge an Vereine. Meiner Meinung nach, wäre dies ganz klar ein Rückschritt für Wil. Gleich viele Steuern für weniger Leistungen bezahlen? Nein, danke.


Ich finde, dass wesentliche Fragen und Vorhaben unbedingt VOR einer Vereinigung geklärt werden müssen. Es geht hier schliesslich um ein Millionenprojekt mit Auswirkungen auf unsere Zukunft. Einen Weg zurück gibt es nicht. Wir haben absolut keinen Zeitdruck und darum ausreichend Zeit, den Zusammenschluss sorgfältig vorzubereiten. Darum sage ich entschieden NEIN zu dieser Schnellschuss-Fusion mit Wil als Verliererin.


Michael Sarbach
Mitglied Stadtparlament Wil, Junge Grüne

Montag, 20. Juni 2011

«Der Mist ist noch nicht geführt»

Die Wiler Zeitung hat zu einem Stammtischgespräch über die bevorstehende Abstimmung zur Gemeindefusion von Wil und Bronschhofen eingeladen. Dabei waren hauptsächlich kritische Stimmen gegenüber diesem Vorhaben zu vernehmen.

Silvan meile

Wil/Bronschhofen. Im Restaurant Speer-Viktoria, das bereits vor Jahren fusionierte, sprach die Wiler Zeitung mit Lesern über die bevorstehende Abstimmung zur Gemeindevereinigung von Wil und Bronschhofen. Tele Top sorgte dafür, dass das Stammtischgespräch auch in bewegten Bildern festgehalten wurde. «Der richtige Ort für ein solches Gespräch», findet der ehemalige Rossrütener Gemeinderat Otto Hug. «Auch wenn die beiden Restaurants damals ohne Abstimmung fusionierten», fügt er schmunzelnd hinzu. Bereits vor über zwanzig Jahren sei er für eine Fusion Rossrütis mit Wil gewesen, erzählt er. Doch damals sei diese Idee noch auf taube Ohren gestossen. Aus aktuellem Anlass bietet sie aber reichlich Diskussionsstoff.

Negative Signale im Vorfeld

Heute ist es anders. Das Dorf Rossrüti ist baulich und wirtschaftlich über die Jahre noch mehr nach Wil ausgerichtet, ein Zusammenschluss mit Wil mache daher Sinn. Auch Mario Schmitt, Wiler Parlamentspräsident und Mitglied der SVP, teilt als Gegner der Abstimmungsvorlage vom 3. Juli diese Meinung: «Der Wunsch aus der Bevölkerung für eine Gemeindevereinigung ist nur in Rossrüti zu spüren.» Ansonsten sei kaum Interesse aus der Bevölkerung erkennbar. Der Anstoss zur geplanten Gemeindevereinigung sei schliesslich aus einer Motion im Wiler Stadtparlament gekommen. Er übt Kritik an der Nachbargemeinde. «Die Signale im Vorfeld der geplanten Vereinigung, die von Bronschhofen gekommen sind, waren durchwegs negativ», sagt er und meint unter anderem die fehlende Bereitschaft der Bronschhofer zur Einführung der Stadtbus-Kindertarife oder das Festhalten auf Eigenständigkeit der verschiedenen Dorfkorporationen auf dem Bronschhofer Gemeindegebiet. Daran stört sich auch Michael Sarbach, Stadtparlamentarier der Grünen Prowil. Er verweist auf die Abgaben der Technischen Betriebe Wil an die Rechnung der Stadt, die jeweils einige Steuerprozente ausmachen und den Wiler Steuerfuss tief behalten. Dass die Strom- und Wasserbezüger der Dorfkorporationen in Bronschhofens dies in einer vereinigten Gemeinde nicht im gleichen Masse tun würden, ist für ihn unverständlich. Für Otto Hug hingegen ist dies «nur eine Frage der Zeit», bis auch die Korporationen der Technischen Betriebe angeschlossen werden.

Recht auf dieselben Leistungen

Auch die vom Kanton gesprochenen Förderbeiträge von 14,82 Millionen Franken kommen zur Sprache. Damit könne der tiefere Steuerfuss Wils während drei bis fünf Jahren auf die vereinigte Gemeinde angewendet werden, ist sich Schmitt sicher. «Damit sind aber keine Niveau-Anpassungen von Leistungen wie beispielsweise jene der Kinderbetreuung, der schulpsychologischen Dienste oder der Jugendarbeit berücksichtigt», ergänzt Sarbach. Und diese nicht anzupassen sind für ihn nicht rechtens. «Jeder Bürger einer Gemeinde hat das Recht auf gleiche Leistungen», verdeutlicht er und fügt hinzu, dass solche offenen Fragen im Vorfeld einer Vereinigung geklärt werden müssten.

«In Wil könnte es knapp werden»

Als Prognose zum Abstimmungsresultat meint Otto Hug, dass er hüben wie drüben an ein Ja glaube, auch wenn solche Vorlagen oftmals zwei Anläufe brauchten. Nach Schmitt und Sarbach könnte es auf dem Gebiet der Stadt Wil durchaus knapp werden. Sie bezeichnen die Abstimmungsunterlagen als «Ja-Werbung», wodurch es letztendlich wohl auf ein Ja hinauslaufen werde. Unbestritten sei die Vorlage wohl auf dem Gemeindegebiet von Bronschhofen. Die Hoffnung auf einen Ausgang nach ihren Vorstellungen haben sie aber noch nicht aufgegeben. «Der Mist ist noch nicht ganz geführt», bringt es Schmitt auf den Punkt.


(Quelle: Tagblatt Online, 17. Juni 2011 01:09:03, http://www.wiler-zeitung.ch)

Dienstag, 31. Mai 2011

Plötzlich ist es still in Wil - Zum Tod von Gerhard „Gerry“ Lüthi (1949-2011)


In der Nacht vom vorletzten Freitag ist Gerhard „Gerry“ Lüthi im Alter von nur 62 Jahren überraschend an einem Herzstillstand gestorben. Er wird in der Äbtestadt eine grosse Lücke hinterlassen.

Bereits am Samstagvormittag machte das Gerücht vom Tod von Gerry in den Wiler Beizen die Runde. So richtig glaube wollte das zuerst niemand. Man sprach sogar von einem bösartigen Scherz. Unvorstellbar, dass das markante, laute und vor allem ansteckende Lachen von Gerry irgendwann aus Wil verschwinden würde.
Später am Abend spielte die amerikanische Funk-Formation Mother's Finest ein Konzert im Gare de Lion. Ein Treffen von ehemaligen Betreibern, Aktivisten und Gästen quer durch 20 Jahre Geschichte der Remise – nur Gerry, der praktisch immer da war, fehlte. Damit war allen schlagartig klar, dass das Gerücht ernst genommen werden musste. Eine zuverlässige Meldung seines plötzlichen Todes folgte noch in der selben Nacht.

Ein Lebenskünstler
Gerry Lüthi kam in seinen Jugendjahren in die Ostschweiz und erlernte in Kesswil den Beruf Koch. Nach dem Abschluss fand er eine Stelle in Basel und absolvierte anschliessend in Thun die Rekrutenschule. Am Wochenende war er regelmässig in Wil, denn seine Eltern waren in der Zwischenzeit in die Äbtestadt gezogen. Er unternahm verschiedene Reisen und arbeitete dann mehrere Jahre als Koch in Wil, bevor er mit seiner Frau – er hatte mit 26 Jahren geheiratet - eine Rotisserie in der „Schmitte“ führte. Das Paar bekam zwei Söhne und übernahm den „Baslerhof“ in St.Gallen. Leider meinte es das Schicksal nicht gut mit der Familie und so kam es, dass seine Frau mit den Kindern nach Italien auswanderte. Ein schwerer Schlag für Gerry, der einen Schlussstrich zog und für mehrere Jahre als Schiffskoch auf einem Frachter anheuerte, welcher hauptsächlich Bananen zwischen New York und Südamerika transportiere. Zurück in Wil, hatte er immer wieder verschiedene Jobs und war häufiger und gerne gesehener Gast in den Wiler Beizen.

Treuster Unterstützer der Remise / Gare de Lion
Die Remise war seit der Gründung sein zweites Zuhause. Ob als Koch, Gärtner oder als Allrounder bei Reinigungs-, Renovations- und Umbauarbeiten - Gerry half überall dort mit, wo Hilfe benötigt wurde und blieb dem Kulturlokal 20 Jahre lang bis heute treuster Unterstützer. Oft war er schon am Nachmittag da, trank auf seinem Plätzchen bei der Feuerstelle ein Bier und unterhielt die anwesenden Personen mit witzigen Sprüchen und spannenden Geschichten über seine Zeit als Seefahrer. Bereits nach einigen Jahren genoss Gerry in der Remise so etwas wie Kultstatus. Eine Zeit lang gab es sogar Gerry – Postkarten.

Ein echtes Wiler Stadtoriginal
Meine erste Begegnung mit Gerry dürfte rund 15 Jahre her sein. Es ging mir wie vielen anderen; wer regelmässig die Remise und Bars und Pubs in Wil besuchte, traf Gerry sehr häufig an. Mein Job als Programmverantwortlicher des Kulturbahnhofs intensivierte den Kontakt mit Gerry zusätzlich. Nicht selten besuchte er mich während Büroarbeiten. Jedes mal ein willkommener Grund für eine Pause, ein Bierchen und einen gemütlichen „Schwatz“. Unzählige Tränen habe ich in den letzten Jahren mit ihm zusammen lachen und viele fröhliche Stunden mit ihm verbringen dürfen.
Dass Gerry in seinem Leben nicht einfach nur Trinkbekanntschaften gemacht hat, sondern viele Menschen wirklich berührt und etliche Freundschaften geschlossen hat, zeigen die unzähligen Beiträge und Reaktionen auf „facebook“ und die Tatsache, dass sein unerwarteter Tod auch noch fast zwei Wochen später das Hauptthema an den Stammtischen vieler Beizen in Wil ist. Besonders eindrücklich war jedoch der enorme Besucheraufmarsch an seiner Bestattung letzten Dienstag. Er hätte seine helle Freude daran gehabt, zusammen mit seiner Familie und seinen liebsten Menschen das Konzert zu geniessen, welches eigens für ihn von langjährigen Freunden auf dem Friedhofplatz veranstaltet wurde.

Ganz verschwinden wird Gerry nie aus der Äbtestadt, denn seine vielen Freundinnen und Freunde werden ihm noch zehntausende von Gedanken schenken.

Montag, 16. Mai 2011

Grosse Bands im intimen Rahmen

In der ehemaligen MThB-Remise und heutigem Gare de Lion neigt sich die Jubiläumssaison «20 Jahre Kultur beim Silo» dem Ende zu. Insbesondere drei Konzerte von international beachteten Bands stehen bis zum Saisonschluss im Juni noch auf dem Programm.

Silvan Meile

Vor drei Jahren ist das Konzert- und Partylokal Remise vom Verein Kulturzentrum Wil übernommen und in Gare de Lion umbenannt worden.

Die neuen Betreiber feiern in ihrer dritten Saison bereits ein grosses Jubiläum: «20 Jahre Kultur am Silo». Für den Verein Grund genug, um im Rahmen dieses Jubiläums auch international bekannte Künstler für einen Auftritt in Wil zu gewinnen. «Es war unsere Absicht, dass Konzerte von Bands, die sonst in deutlich grösseren Clubs spielen, in einem intimeren Rahmen in Wil besucht werden können», sagt Michael Sarbach, Vorstandsmitglied und Verantwortlicher für die Programmgestaltung im Gare de Lion. Dass dies gelungen ist, zeigt etwa der Auftritt der mexikanischen Crossover-Band Molotov. Auf ihrer Europatour im Juni spielen sie in Städten wie Berlin, Hamburg, London, Brüssel und Madrid. Am 10. Juni macht nun ihr Tourbus auch im Wiler Kulturbahnhof Halt. Aber auch die Auftritte von Mother's Finest am 21. Mai oder We Are Scientists am 7. Juni stehen für grosse Namen in einer kleinen Stadt. Der Auftritt der amerikanischen Indie-Rockband in der Äbtestadt wird sogar die einzige Show in der Schweiz sein.

«Wil hat keine Szene»

Sarbach bietet wie andere Clubs regelmässig bei Agenturen um Bands mit, die man gerne für einen Auftritt im Gare de Lion gewinnen möchte. Wer die höchste Gage bietet, hat die besten Karten. Für den Wiler Club insofern ein Problem, da er nicht mit den finanziellen Möglichkeiten anderer Veranstalter konkurrenzieren kann. «Die unterschiedlichen Budgets sind ein Problem», sagt Sarbach. Trotzdem schaffe man es aber, in der Programmqualität mit Clubs in St. Gallen oder Winterthur mitzuhalten. Aufgrund der Grösse der Stadt Wil würden aber Konzerte unter der Woche zu wenig Besucher anziehen. «Wil hat keine Szene», erklärt Sarbach. An Sparten-Gruppierungen, auf die bei einem Konzert eines gewissen Musikstils als Stammpublikum gezählt werden kann, fehlt es in Wil. Aus diesem Grund ist man bei Konzertveranstaltungen im Gare de Lion auch immer wieder auf auswärtiges Publikum angewiesen. Ausserdem werden die Konzerttermine, wenn immer möglich, auf das Wochenende angesetzt.

Finanzierung durch Parties

Zu den Gagen, die sich je nach Bekanntheitsgrad der Band rasch im vierstelligen Bereich bewegen können, kommen auch noch Agentur-Kommissionen, Quellensteuern und eine Hotelrechnung dazu. «Dadurch kommen schnell mehrere Tausend Franken zusammen, ohne Gage», bemerkt Sarbach.

Doch mit gut besuchten Party-Veranstaltungen macht man im Gare de Lion eine gewisse Quersubventionierung. So hält man sich trotz der in den vergangenen Jahren gestiegenen Gagenforderungen der Bands im Kulturbahnhof über Wasser. Ausserdem arbeitete der sechsköpfige Vorstand bisher für eine symbolische Entschädigung. Auf Zuverlässigkeit und Professionalität muss trotzdem gezählt werden können. «Das Engagement übersteigt ein Hobby, es braucht auch viel Herzblut», findet Sarbach.

Auch für ältere Generationen

Nachdem die vorherigen Betreiber der Remise mit Konzerten in den Musiksparten Punk und Metall einen nationalen Ruf schafften, besann man sich beim Verein Kulturzentrum Wil wieder auf den Grundgedanken der Wiler Remise zurück: Ein breites kulturelles Angebot anbieten, in dem nebst Parties und Konzerten auch Veranstaltungen wie Lesungen, Theater oder Tango-Tanz Platz haben, statt sich auf eine Musiksparte festzulegen. «Uns ist es wichtig, dass es in Wil einen Club gibt, in dem unterschiedliche Veranstaltungen stattfinden», erklärt Sarbach. Erfreulicherweise sei mit gewissen Anlässen auch ein älteres Publikum für den Gare de Lion interessant geworden. Trotzdem haftet bei älteren Generationen noch immer ein verruchter Ruf am Lokal beim Silo. Auch wenn der Gare de Lion eines der ersten Lokale Wils war, das sich seit 2008 konsequent an das Rauchverbot hält.

Im Rahmen des Jubiläums «20 Jahre Kultur beim Silo» präsentiert der Kulturbahnhof Gare de Lion weitere drei Konzerte: Mother's Finest, Samstag, 21. Mai. We Are Scientists, Dienstag, 7. Juni. Molotov, Freitag, 10. Juni.

Tagblatt Online, 14. Mai 2011 01:09:00

Dienstag, 12. April 2011

Zum Artikel „Für eine grenzenlose Kulturförderung“, Wiler Zeitung, 25. März 2011

Mit grosser Freude habe ich den Artikel „Für eine grenzenlose Kulturförderung“ gelesen. Die Schaffung eines überregionalen und kantonsübergreifenden Kulturfonds ist ein Anliegen, welches die Jungen Grünen schon seit längerer Zeit teilen. Dass Kultur in der Region Wil Gemeinde- und somit auch Kantonsübergreifend ist, zeigen nicht nur erfolgreiche regional verwurzelte Feste, Openairs und Theaterproduktionen in und um Wil, sondern auch etablierte fixe Kulturstätten wie der Kulturbahnhof Gare de Lion, die Tonhalle, das Kellertheater, der Stadtsaal oder die Lokremise. Mit den geplanten Beiträgen von bis zu 10'000 Franken an Veranstaltungen wird die kulturelle Vielfalt in der Region zweifellos gestärkt und gefördert – vor allem auch in den Gemeinden um Wil herum, was natürlich sehr erfreulich ist.
Eher bedauerlich ist jedoch, dass die Idee wohl noch nicht zu Ende gedacht wurde und mit einer eher „kleinen Kelle“ angerührt wird. Die grossen und kostenintensiven Kulturinstitutionen der Stadt Wil dürfen meiner Meinung nach nicht ausgeklammert werden. Ich wünsche mir in diesem Zusammenhang, dass die Stadt Wil eine aktive Führungsrolle einnimmt und die Idee des Fonds auch dazu nutzt, die eigenen Kosten für Zentrumslasten und Kulturinfrastruktur abzuschwächen. Durch den Kulturfonds würden sich die Regio Wil – Gemeinden endlich angemessen an diesen Kosten beteiligen. Die Besucherzahlen zeigen, dass von den Wiler Kulturstätten jedes Jahr mehrere zehntausend Besucherinnen und Besucher aus der gesamten Region profitieren – die Kosten und Lasten tragen aber praktisch immer ausschliesslich die SteuerzahlerInnen der Stadt Wil. Wenn Wil also pro Einwohner Geld in einen Kulturfonds einzahlen soll, von dem dann wohl überwiegend Veranstalter in den umliegenden Gemeinden profitieren werden, dann sollen sich die umliegenden Gemeinden im Gegenzug auch angemessen am Kulturangebot der Stadt Wil beteiligen.

Michael Sarbach
Stadtparlamentarier, Junge Grüne & KulturfreundInnen
Lindenstrasse 7
9500 Wil

Mittwoch, 16. März 2011

Am Wiler Angebot beteiligen

Zum Artikel «Für eine grenzenlose Kulturförderung» (Wiler Zeitung vom 25. März)

Mit grosser Freude habe ich den Artikel «Für eine grenzenlose Kulturförderung» gelesen. Die Schaffung eines überregionalen und kantonsübergreifenden Kulturfonds ist ein Anliegen, welches die Jungen Grünen schon seit längerer Zeit teilen. Dass Kultur in der Region Wil gemeinde- und somit auch kantonsübergreifend ist, zeigen nicht nur erfolgreiche regional verwurzelte Feste, Open-Airs und Theaterproduktionen in und um Wil, sondern auch etablierte fixe Kulturstätten wie der Kulturbahnhof Gare de Lion, die Tonhalle, das Kellertheater, der Stadtsaal oder die Lokremise. Mit den geplanten Beiträgen von bis zu 10 000 Franken an Veranstaltungen wird die kulturelle Vielfalt in der Region zweifellos gestärkt und gefördert – vor allem auch in den Agglomerationsgemeinden um Wil herum, was natürlich sehr erfreulich ist.

Eher bedauerlich ist jedoch, dass die Idee wohl noch nicht zu Ende gedacht wurde und mit einer eher «kleinen Kelle» angerührt wird. Die grossen und kostenintensiven Kulturinstitutionen der Stadt Wil dürfen meiner Meinung nach nicht ausgeklammert werden. Ich wünsche mir in diesem Zusammenhang, dass die Stadt Wil eine aktive Führungsrolle einnimmt und die Idee des Fonds auch dazu nutzt, die eigenen Kosten für Zentrumslasten und Kulturinfrastruktur abzuschwächen. Durch den Kulturfonds würden sich die Regio-Wil-Gemeinden endlich angemessen an diesen Kosten beteiligen. Die Besucherzahlen zeigen, dass von den Wiler Kulturstätten jedes Jahr mehrere zehntausend Besucherinnen und Besucher aus der gesamten Region profitieren – die Kosten und Lasten tragen aber praktisch immer ausschliesslich die Steuerzahler der Stadt Wil. Wenn Wil also pro Einwohner Geld in einen Kulturfonds einzahlen soll, von dem dann wohl überwiegend Veranstalter in den umliegenden Gemeinden profitieren werden, dann wäre es nicht mehr als fair, wenn sich die umliegenden Gemeinden im Gegenzug auch angemessen am Kulturangebot der Stadt Wil beteiligen.

Michael Sarbach
Stadtparlamentarier, Junge Grüne und Kulturfreunde
Lindenstrasse 7
9500 Wil