Donnerstag, 8. Mai 2008

Interview zum Thema Klimapolitik

Ein Interview, welches ich für eine Lehrabschlussarbeit kurz beantwortet habe.

a. Was bedeutet Klimaschutz für die Grünen?
Es soll ein Umdenken stattfinden! Ziel der Grünen ist ganz klar das Erreichen des energiepolitischen Modells der „2000-Watt-Gesellschaft“.

b. Wie manifestiert sich dies?
Mit diversen nationalen, kantonalen und kommunalen Bemühungen. Ein Beispiel ist die Klima-Initiative:
Die Umweltkommission des Nationalrats verlangt eine Reduktion CO2-Emmissionen um 20% gegenüber 1990 bis im Jahr 2020. Dies genügt aber nicht, wenn wir das Schlimmste für Mensch und Umwelt verhindern wollen. Die Klimainitiative, welche ende Mai 2007 lanciert wurde, verlangt eine Reduktion von 30%. Diese Absicht, welche durchaus realistisch ist, verlangt wirkungsvolle Massnahmen im Bereich erneuerbarer Energien und Energieeffizienz. Bis im November 2007, nur gut fünf Monate nach der Lancierung, wurden bereits 120'000 Unterschriften gesammelt. Die Klimainitiative, welche in Rekordzeit zu Stande kam, ist ein deutliches Zeichen für den Bundesrat. Sie wird offiziell am 29. Februar 2008 bei der Bundeskanzlei eingereicht.

c. Was für eine Bedeutung hat Klimapolitik für Sie persönlich?
Die Erde ist das Fundament unserer Existenz. Wir müssen endlich anfangen, Verantwortung zu übernehmen. Unsere aktuelle Lebensweise führt dazu, dass kommende Generationen unser rücksichtsloses Verhalten ausbaden müssen. Deshalb setze ich mich ein für Massnahmen, welche die Schweiz dem Ziel – der „2000-Watt-Gesellschaft“ – Stück für Stück näher bringt. Dazu ist ein Balance-Akt nötig, denn insbesondere für die Wirtschaft soll der Wechsel so stattfinden, dass keine massiven Standortnachteile entstehen.

d. Stichwort „Grüne Perspektive: Effizienz und Erneuerbare Energie“.
Wie möchten die Grünen die Energieeffizienz erhöhen?
Hauptsächlich mit Energiesparmassnahmen und mit der Förderung erneuerbarer Energie. Ein gutes Beispiel dafür ist die Energie-Initiative im Kanton St.Gallen: www.energieinitiative.ch
Insbesondere im Bereich der Gebäudesanierungen, sind weitere Massnahmen nötig.

e. Was ist Ihrer Meinung nach Sinnvoll?
Jede Massnahme sollte nach dem Kosten/Nutzen – Prinzip bewertet werden. Die meisten Massnahmen wie Solarenergie bei Gebäuden zur Warmwassergewinnung, alternative Heizsysteme, Wasser- und Stromsparmassnahmen rechnen sich auch kurzfristig und ganz direkt.

f. Sehr ihr eine Möglichkeit darin, dass die verschiedenen Parteien zusammenarbeiten werden? Oder ist dies gänzlich unrealistisch?
In der Realpolitik wird sehr viel mit den anderen Parteien zusammengearbeitet. Besonders vor den Wahlen überraschen vor allem bürgerliche Parteien immer wieder mit Vorstössen und Engagement im Bereich Klimaschutz. Leider zeigen sie sich dann jeweils nach den Wahlen weniger kooperationsbereit. Im Grossen und Ganzen hat das Umdenken aber schon begonnen und auch die anderen Parteien haben die Problematik endlich erkannt.

g. Was ist der Stellenwert der erneuerbaren Energien?
Erneuerbare Energien sind die Zukunft! Auf diesem Bereich müssen sich unsere Bemühungen konzentrieren. Die Schweiz ist fähig, wieder eine führende Stellung im Bereich der erneuerbaren Energien einzunehmen.
Weitere Infos unter: http://gruene.ch/d/politik/pp/grundlagenpapier_energiepolitik_d.pdf

h. Man spricht davon, dass die fossilen Energiequellen zur Neige gehen. Ist da überhaupt noch genug Zeit vorhanden, um global umzudenken?
Wir haben in der Tat nicht unendlich viel Zeit. Darum ist Grüne Politik wichtiger denn je. Damit die Anpassung unserer Gesellschaft, insbesondere der Wirtschaft, ohne massive Verluste geschehen kann, muss sofort mit dem Umbau begonnen werden.

i. Wie sieht Ihre Zukunftsvision in der Klima- und Energiepolitik aus?
Die „2000-Watt-Gesellschaft“, eine Initiative der ETH (www.novatlantis.ch). Ihr Ziel ist eine nachhaltige Energieversorgung auf der Basis von neuen Technologien und Konzepten sowie erhöhten Wirkungsgraden bei der Umwandlung von Primär- zu Nutzenergie. An dieser Vision soll sich die Realpolitik orientieren.


j. In der Schweiz wird es 2010 einen Energieengpass geben. Wie wird/sollte dieser Engpass überbrückt werden?
Die Schweiz wird entweder jetzt aktiv auf alternative Energien umrüsten oder eine Energiekrise erleiden. Die Mehrheit Politiker hat diesbezüglich jahrelang geschlafen und torpediert auch jetzt noch griffige Massnahmen im Bereich erneuerbarer Energien. Wir müssen jetzt handeln oder wir werden tatsächlich einen Energieengpass haben.
Konkrete Massnahmen sind im „Grundlagenpapier Energiepolitik 2050“ der Grünen Partei der Schweiz zu finden: http://gruene.ch/d/politik/pp/grundlagenpapier_energiepolitik_d.pdf

k. Auf Ihrer Website schreiben Sie, dass wir endlich beginnen sollen, nachhaltig Verantwortung für unseren Lebensstil zu übernehmen. Wie soll das gehen?
Das Klima geht alle etwas an! Es ist hier wohl unnötig, verschiedene Energiesparmassnahmen aufzuzählen, welcher jeder Haushalt einhalten kann, ohne sich einschränken zu müssen. Es ist wichtig, dass im Kleinen, als auch im Grossen, Massnahmen getroffen werden. Des weiteren finde ich es enorm wichtig, dass sich der Marktanteil von so genannten „Fair Trade“ Produkten erhöht. Man unterstützt mit dem Kauf solcher Produkte nicht nur Eigeninitiative in andern Ländern, sondern auch konkrete Energieeffizienz- und Umweltschutzprojekte global. Zudem soll endlich das Verursacherprinzip mittels Lenkungsabgaben eingeführt werden mittels einer ökologischen Steuerreform. Sie zielt darauf ab, den Energieverbrauch zu besteuern und die Lohnnebenkosten zu senken. Heute belasten hohe Nebenkosten den "Faktor Arbeit". Die Energiesteuer hilft die Sozialversicherung zu finanzieren. Wenn Energie teurer wird, dient das der Natur, Arbeitsplätze entstehen, und es verhilft der Schweizer Wirtschaft zu einem Vorsprung bei den umweltfreundlichen Technologien.

l. Was sind ihrer Meinung nach Instrumente, um dieses Ziel zu erreichen?
Ökologische Steuerreform, Förderung und Weiterentwicklung erneuerbarer Energie, CO2-Abgaben, Verbot von unverhältnismässig schädlichen Fahrzeugen (z.B. Offroader, wo nicht nötig. www.menschenfreundlicher.ch), konsequente und effiziente Gebäudesanierungen.

m. Denken Sie, dass die Volksschulen für eine nachhaltige Entwicklung massgebend sein könnten?
Die Volksschulen müssen Themen wie Klimawandel, Energiesparen und Konsumverhalten verstärkt aufnehmen. In vielen Städten finden ganze Projektwochen zu solchen Themen statt. Diese Themen gehören fix in die kantonalen Lehrpläne. Die Entwicklung geht definitiv in die richtige Richtung, aber es gibt noch viel Optimierungspotential!

n. Gibt es Grund zur Sorge? Oder dürfen wir sorgenfrei nach vorne schauen, in der Hoffnung, dass die Politik brauchbare Lösungen vorlegt?
Massnahmen gegen die Klimaerwärmung müssen lokal, aber auch global angegangen werden. Die Schweiz hinkt heute im europäischen Vergleich leider weit hinterher, nachdem sie in den 90er Jahren zu den Fortschrittlichsten Ländern gezählt wurde. Wir müssen hier als gutes Beispiel vorangehen und uns verstärkt für globale Verträge und Abkommen einsetzen. Im Grossen und Ganzen bin ich aber sehr zuversichtlich, denn inzwischen haben auch die meisten anderen Parteien den Ernst der Lage erkannt.

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